Die Schamanenpflanze Beifuß

ArtemisiaVulgaris

Beifuß oder Artemisia vulgaris ist eine der ältesten Schamanenpflanzen mit europäischer Herkunft. Seit den Anfängen des magischen Räucherns ist auch Beifuß ein fester Bestandteil bei Ritualen. Die Räucherungen mit dem Korbblütler wirken “kopföffnend”, reinigend und helfen dabei, einen sakralen Raum zu erschaffen. Besonders für psychonautische oder schamanische Rituale und zur Meditation ist Beifuß daher ein empfehlenswertes Räucherwerk. Doch er ist nicht nur für diesen Verwendungszweck ist er von Relevanz, sondern auch als Gewürz- und Heilpflanze.

Aussehen und Vorkommen

Beifuß ist eine äußerst ausdauernde Pflanze, die eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern erreichen kann. An den härteren, rotbraunen Stängeln befinden sich Blätter mit dunkelgrüner Oberseite und einer kahlen, filzigen Unterseite in weiß. Der Beifuß ist zudem an seinen rotbraunen, rispenförmigen Blüten erkennbar, die von Juli bis September sprießen. Durch das erfrischend-charakteristisches Aroma des Artemisia vulgaris sowie den bitteren Geschmack lässt er sich ebenfalls leicht identifiziert und bestimmen.

Der Beifuß ist eine äußerst anspruchslose Pflanze, die an den Boden keine besonderen Ansprüche stellt. Zudem ist der Beifuß frosthart. Daher ist das Gewächs weltweit als “Unkraut” verbreitet. Bei uns in Europa hat er siene Vorkommen insbesondere an Wegerändern und Flussufern. Da das Gewächs schon früh vom Menschen verbreitet wurde, lässt sich die exakte Heimat heute nicht mehr bestimmen.

Anwendungszwecke und Rituale

Bei den Germanen wurde der Beifuß den weiblichen Mysterien zugeordnet. Man verwendete ihn für Fruchtbarkeits-, Geburts- und Übergangsrituale. Auch bei den Kelten gehörte er zu den heiligen Pflanzen und war ein fester Bestandteil jeder Samhain-Räucherung. Damals existierte die Vorstellung, dass der Artemisia vulgaris schlechte Energien, böse Geister und negative Schwingungen vertreiben kann. Es wundert daher auch kaum, dass man einst mit Beifuß auch Räume oder Ställe ausräucherte. Zur Beruhigung bei Schlafstörungen war es außerdem zur damaligen Zeit nicht unüblich, sich Beifuß in ein Kopfkissen zu stecken.

Von unseren Ahnen wurde der Beifuß im Rahmen der Sommersonnenwendenrituale genutzt.
So wurde etwa beim Sprung über das Sonnenwend-Feuer ein Gürtel aus Beifußkraut getragen. Nach dem erfolgreichen Gelingen des Springers wurde dieser als dank an die Geiser ins Feuer geworfen. Man dachte, der Sprung durch das Feuer befreie den Springer von Krankheiten. Dieser Brauch besteht interessanterweise in einigen Regionen bis heute fort. Ebenso das aus selben Zeit stammende Ritual, das Feuer aus neun verschiedenen Hölzern aufzubauen.

Den alten heidnischen Germanen war der Beifuß heilig. Im Zuge der Christianisierung wurde das Gewächs jedoch, wie viele andere Pflanzen auch, als Hexenkraut verteufelt. Daher ersetzte man ihn durch Weihrauch. Vor dem Inkrafttreten des deutschen Reinheitsgebots für die Bier-Herstellung diente Beifuß zudem als psychoaktiver und aromatischer Bierzusatz. Auch im gesamten Hilalajaraum ist der Beifuß eine wichtige schamanische Ritualpflanze. Dort wird er ebenfalls als intuitionsförderndes, dämonenabwehrendes und reinigendes Räucherwerk gebraucht.

Weiterhin nutzen nordamerikanischen Prärieindianern den Steppenbeifuß noch heute als rituelles Räucherwerk zur spirituellen Reinigung und zur Abwehr von schädlichen Krankheitsgeistern.
Dafür wird ein Räucherbündel aus Steppenbeifuß traditionell verwendet, um Schwitzhütten und Tipis und auszuräuchern. Auch im Rahmen des Peyotekult war der Steppenbeifuß von ritueller Bedeutung, sowohl als Räucherwerk, als auch als Altarbedeckung.

Verarbeitungsformen

Heute wird Beifuß oft in der Küche eingesetzt, denn es ist äußerst verdauungsfördernd. Beifuß kann jedoch in einigen weiteren Varianten zur Verwendung kommen:

1. Räucherwerk
Das Kraut und die Blüten des Beifuß werden zum Räuchern verwendet. Das Gewächs verströmt ein angenehmes Aroma. Bei einer bewussten Inhalation öffnet dies spürbar das Stirnchakra. Der getrocknete Beifuß lässt sich gut alleine Räucher. Aber auch mit anderen Stoffen kann er hervorragend kombiniert werden.
2. Teeaufguss
Für einen Teeaufguss wird ein Teelöffel Beifußkraut mit 250 ml kochendem Wasser übergossen. Nach einer Ziehzeit von 2 Minuten ist der etwas bitter schmeckende Tee bereit zum trinken.
3. Bad
Ein Beifußbad am Abend vor dem Schlafengehen hilft bei Unterleibserkrankungen, die durch Kälte entstehen. 200 g getrocknetes Beifußkraut mit 3 Liter Wasser rund 10 Minuten aufkochen lassen und im Anschluss den Sud ins laufende Badewasser einfüllen.

Körperliche und geistige Wirkung

Beifuß wirkt auf der körperlichen Ebene antibakteriell, appetitanregend, antimykotisch, durchblutsanregend, krammpflösend, galletreibend, tonisierend, menstruations- und wehenfördernd sowie verdauungsanregend. Die subtile Psychoaktivität des Beifuß äußert sich in geistklärenden, beruhigenden Effekten.

Beifußkraut wirkt als inhaliertes Räucherwerk reinigen und harmonisierend. Es kann dabei helfen, Alte Laster loszulassen. Durch die Inhalation wird zudem eine Aktivierung des dritten Auges angeregt. Daher eignet sich eine Räucherung mit Beifuß auch als Meditationshilfe hervorragend. In der Regel spürt der Anwender beim Räuchern direkt, wie sich im Kopf ein wohliges Aroma verteilt und die gesamte Stirnpartie erwärmt.

Hinweis: Beifuß ist ein Korbblütler, weshalb sich allergische Reaktionen nicht ausschließen lassen. In solchen Fällen ist die Einnahme sofort zu unterbrechen. Schwangere Frauen dürfen Artemisia vulgaris überhaupt nicht verwenden, aufgrund der abortiven Wirkung!

CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=244676

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