Die Schamanenpflanze Sinicuichi

salicifolia

Die Sinicuichi bzw. Schamanenpflanze, wächst hauptsächlich im Hochland von Mittel- und Südamerika, kommt aber durchaus auch im Westen Indiens vor. Der Name Sinicuichi bedeutet Sonnenöffner und wird in Deutschland in manchen Fällen auch als Lebenskraut übersetzt. Der Sinicuichi-Strauch ist nur eine von drei Arten der Gattung Heimia, welche wiederum zur Familie der Weiderich Gewächse zählt.

Die äußerlichen Merkmale

Der unscheinbare Strauch blüht in sehr farbenfrohem gelb und erreicht dabei eine Höhe von circa einem bis maximal drei Meter. Zu Hause in einem Topf gehalten werden sie in etwa einen Meter hoch und durch den geringen Platz auch recht verzweigt. Eine der Besonderheiten ist die Existenz eines Nebenkelches der Blühte, wohingegen keinerlei Nebenblätter wachsen. Die Blühten sitzen mit einem unter 2 mm langem Blütenstiel fast direkt am Zweig und können dadurch ohne große Anstrengung oder Probleme geerntet werden. Die sechs Kelchblätter sind jeweils circa 0,75 mm lang und bis zu 2 mm breit. Zudem handelt es sich um einen Laub werfenden Strauch mit glockenförmiger Kapselfrucht und einer Chromosomenzahl von 2n=16.

Anwendungszwecke und Rituale

Die Sinicuichi wird häufig von Schamanen verwendet und trägt daher auch den Beinamen “Schamananpflanze” oder “Erinnerungspflanze”. Letzterer bezieht sich auf die Wirkung der Pflanze.

Medizinmänner und auch Schamanen brauen aus den angewelkten und fermentierten Blättern einen sogenannten Vergesslichkeits- oder Visionstrank. Im starken Kontrast dazu existieren vielerlei Meldungen und Berichte das die Wirkung des Giftes auch starke Halluzinationen auslöst und die eigene Erinnerung öffnet. So erzählen auch noch heute die Urvölker Coahuiltec sowie der Lipan in Tamaulipas, das mit Hilfe des Saftes auch Prophezeiungen, Zukunftsblicke und sogar vorgeburtliche Ereignisse gesehen werden können. Des Weiteren sagt man Sinicuichi eine narkotische, fiebersenkende Wirkung nach. Die Pflanze wird unter anderem zur Behandlung von Syphilis verwendet.

Verarbeitungsformen

Wie viele Pflanzen, so kann auch die Schamanenpflanze in vielerlei Arten verarbeitet werden. So ist es möglich, einen Tee zu bereiten, in dem die trockenen Blätter einfach mit kochendem Wasser aufgegossen werden. Durch die Hitze lösen sich die Bestandteile – je mehr Blätter verwendet werden desto stärker auch die Wirkung. Über Geschmack lässt sich streiten, aber die Bitterstoffe sind nicht jedermanns Sache. Eingeweichte Blätter lassen sich auspressen und unter der Sonne bis zur Fermentierung gären, dann wird der Saft einfach getrunken und manchmal auch mit Honig vermengt. Frisch gepflückte Blätter können als Wundverband aufgelegt werden.

Ansonsten sind die typischsten Verarbeitungsformen der schon genannte Visionstrank und als Räucherwerk. Hin und wieder werden die getrockneten Blätter auch geraucht.

Körperliche Wirkungen

Zu den härteren körperlichen Wirkungen zählt der sogenannte Gelbblick. Das Augenlicht wird dabei trübe und verschleiert in einem typischen Gelbton. Bei manch einem Ritual ist genau dieser Gelbblick die beabsichtigte Wirkung. Wie bei allem, was dem Körper zugeführt wird und kein Nahrungsmittel im engeren Sinne ist, sind Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Schwindelgefühle, Erbrechen und auch Krämpfe möglich.

Positive körperliche Wirkungen werden häufig als ein Gefühl der Leichtigkeit beschrieben. Durch die leichte betäubende Wirkung fühlt man sich fit, ausgeglichen und unerschöpflich.

Geistige Wirkung

Auch im Geiste schlägt Sinicuichi zu. Leider existieren dazu keine einheitlichen Meinungen. Die Palette der Wirkungen reichen von Niedergeschlagenheit, Schläfrigkeit über Euphorie bis hin zur Lustlosigkeit. Der Anwender wird sensibler, was Geräusche betrifft, die Umgebung wird auditiv verzerrt wahrgenommen, und wenn ein Radio läuft, kann die Musik bedeutend intensiver wirken als normalerweise. Die meisten Berichte über die Wirkung von Sinicuichi beschreiben allerdings einen Zustand des inneren Friedens und das man tiefer in sich selbst Blicken kann, als es im Alltag typisch ist. Erinnerungen können besser und einfacher ins Gedächtnis gerufen werden.

Dosierung und Überdosierung

Die Wirkung von Sinicuichi hängt auch von der Dosierung und Darreichungsform ab. Für eine optimale Wirkung sollte man zum einen auf Saft und Rauch verzichten und lieber einen Tee brühen. Dabei benötigt man für eine normale Tasse zwischen 2-6 g für eine sehr leichte bis leichte Wirkung und circa 10-20 g für einen normalen Rausch.
Eine Überdosierung ist fast nicht möglich, da schon für eine normale Wirkung sehr viel Sinicuichi zubereitet werden muss. Eine Überdosierung merkt der Konsument an den oben beschriebenen negativen Wirkungen. Allgemein fühlt man sich erschlagen.

Rechtliche Lage in Deutschland

Bei solchen Wirkungen ist die Frage nach der Legalität natürlich von höchster Wichtigkeit. Aber zum Glück hat das Betäubungsmittelgesetzt (BtMG) keine Einwände! Sinicuichi ist weder in Deutschland noch im Rest der Welt verboten und kann frei verkauft und gekauft werden.

Von peganum from Henfield, England – Heimia salicifolia, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37049486

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