Die Schamanenpflanze Tollkirsche

Tollkirsche

Die Tollkirsche oder auch Atropa Belladonna gehört zu den ältesten Schamanenpflanzen. Sie ist eine der giftigsten Pflanzen in Europa und schon früh wurde sie für verschiedene Zwecke verwendet. Da die Tollkirsche einen süßlichen Geschmack besitzt und auch gut duftet, schließt man nicht unbedingt darauf, dass sie giftig sein könnte. Doch ein Verschlucken von nur einer einzelnen Beere kann beispielsweise bei Kindern zum Tode führen.

Aussehen und Vorkommen der Tollkirsche

Die Tollkirsche wird in der Regel zwischen 50 und 170 cm groß. Die giftige Frucht ist aufgebaut wie eine Tomate und geschmacklich ist sie zwar süß, hinterlässt aber gleichzeitig einen pelzigen Geschmack auf der Zunge. Die Früchte reifen von August bis Oktober.

Ihren Namen hat sie aus der Zeit der Renaissance. Damals ließen sich die Frauen den Saft der Tollkirsche in die Augen träufeln, damit sich so die Pupillen erweitern. Man war damals der Meinung, so interessanter zu wirken und verführerischer auszusehen. Daher erhielt die Pflanze auch ihren italienischen Namen Belladonna, der übersetzt “schöne Frau” bedeutet. Bis heute hat das Gewächs diesen Namen behalten können.
Der botanische Name Atropa Belladonna stammt aus der griechischen Mytologie. Dem Glauben nach kannten damals die Schicksalsgöttinnendas verheerende Gift der Tollkirsche kannten und setzten dies auch bei Bedarf ein.
Erst im Mittelalter wurde dann aus der Atropa Belladonna die Tollkirsche, die oft auch Wutkirsche oder Wutbeere genannt wird. Ihr Gift machte wütend und bessessen und äußerte sich in Raserei und Tollwut.

Anwendungszwecke und Rituale

Naturdrogen waren schon lange bei Schamanen vieler Kulturen ein wichtigste Bestandteil der Praktiken. Der Schamane war früher Zauberer, Hexer und Medizinmann in einem und stand oft noch vor dem Staatsoberhaupt. Eine von vielen Pflanzen, die man in schamanischen Praktiken verwendete, war die Tollkirsche. Nach dem Glaube konnte sie metaphysische Mächte und Kräfte freisetzte.

Die enthaltenen Halluzinogene in der Tollkirsche gaben außerdem dem Konsumenten das Gefühl, fliegen zu können. Je nach Dosierung konnte während des Drogenrauschs auch zu Wahnzustände kommen, sodass der Konsument an Realität der Träume glaubte.
Im Mittelalter war ein solcher Zustand dann meist verhängnisvoll und daher endet er zu dieser nicht selten mit Hexenverdacht und natürlich den Folgen.

Heutzutage liegt die Anzahl der berauschenden Pilze und Pflanzen im europäischen Gebiet bei ungefähr sechzig Stück. Viele berauschende Drogen werden auch heute noch kultiviert, sodass man bestimmte berauschende Pflanzen wie Engelstrompeten, Stechapfel oder aber auch die Tollkirsche im Internet bestellen kann. Der Hintergrund ist für viele der Wunsch nach dem Sammeln spirituellen Erfahrungen. Man möchte mit seiner Psyche und mit sich selbst experimentieren.

Die spezifische Rauschwirkung macht auch die Tollkirsche für den ein oder anderen enorm interessant und heute ist auch die Hemmschwelle durch Drogen wie Ecstasy usw. deutlich gesunken. Viele Menschen halten die Atropa Belladonna im Vergleich zu anderen Drogen für völlig harmlos und reihen sie in die Gruppe der unbelasteten Bio-Naturstoffe ein. Dass es sich dabei aber tatsächlich um eine chemisch hochwirksame Verbindung handelt, ist vielen Konsumenten nicht klar.

Die magische Kraft der Tollkirsche war im Volksglauben lange Zeit stark verwurzelt. In zahlreichen alten Traditionen war sie ein fester Bestandteil bei Zeremonien und Rituale. Diese rankten sich damals hauptsächlich um Geister oder Pflanzengeister sowie um den Liebeszauber. So verhalf die Tollkirsche als Amulett getragen dazu, die Liebe anderer Menschen zu gewinnen oder ein Trank aus ihren Wirkstoffen sollte eine aphrodisierende Wirkung aufweisen. Als Salbe verwendet galt die Atropa Belladonna als Salbe der Hexen mit halluzinogenen Inhaltsstoffen. Man glaubte, man könne sich nach dem Einreiben in Tiere verwandeln und von deren Fähigkeiten profitieren.

Körperliche und geistige Wirkung der Tollkirsche

Die Atropa Belladonna gehört zu den klassischen “Hexenpflanzen”. Die Inhaltstoffe der Nachtschattengewächse können je nach Standort und Erntezeitpunkt in der Giftigkeit stark variieren, was sie unberechenbar und enorm gefährlich machte und macht. Die giftigen Inhaltsstoffe der Tollkirsche bestehen insbesondere aus Alkaloiden, die in sämtlichen Pflanzenteilen des Gewächses vorkommen. Der Giftstoff Hyoscyamin variiert jedoch in seiner Konzentration, wobei besonders hohe Konzentrationswerte in den Blättern nachgewiesen werden konnten. Andere enthaltene Gifte wie Apotropin, Scopolamin, Tropin, Pseudotropin und Tropinon verteilen sich in der Giftkonzentration auf unterschiedliche Werte in der Pflanze.

Die für das parasympathische Nervensystem verantwortlichen werden durch die Wirkung der Tollkirsche blockiert. Der Parasympaticus wird dabei gehemmt und die krampflösende Wirkung kann sich in verschiedene Organe in den kompletten Körper ausbreiten. Die Magen- und Darmmuskulatur sowie die Muskulatur der Blase und der Galle entspannt sich deutlich – mit den entsprechenden Folgen. Im Körper wird die Schweißbildung herabgesetzt und auch die Speicheldrüsen vermindern ihre Aktivität. Dies kann zu einer charakteristisch ausgeprägten Mundtrockenheit führen.
Bei einer Vergiftung mit der Tollkirsche setzt erst lediglich die Mundtrockenheit ein. Dann werden die erweiterten Pupillen sichtbar und es kann zu Sehstörungen kommen. erweiterte Pupillen werden sichtbar.

Von H. Zell – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9140612

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